CONTEMPLATING REALITY
Solo Show @KREMS MUSEUM, Krems Niederösterreich
2020/2021

Direktor: MMag. Gregor Kremser
Kurator: Carl Aigner

 

Contemplating Reality 2020 – 2
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Contemplating Reality 2020 – 42
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GEOMETRIE RELOADED
Noten zur neuen Werkserie „Divide & Rule“

von Mag. Carl Aigner
ehemaliger Direktor des niederösterreichischen Landesmuseums
Vorstandsmitglied Leopold Museum Privatstiftung Wien


"Wer die Geometrie begreift,
vermag in dieser Welt
alles zu verstehen."

Gallileo Galilei 


Im Werk von Florian Nährer, der an der Akademie der Bildenden Kunst in Wien bei Markus Prachensky und Walter Obholzer studierte, ist das Spannungsfeld von gegenständlich und abstrakt, von Form und Farbe, von Chaos und Ordnung konstitutiv. In letzter Zeit gewinnt dabei die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Farbe zunehmend an Relevanz, wie etwa seine große Installation „Joy Stick“ zeigt, wo er im Sommer 2020 in der Rosenfellner Mühle in St. Peter/Au 11 Silos ausschließlich mit klar konturierten großflächigen geometrischen Farbringen gestaltete.
In seiner jüngsten Werkserie „Divide & Rule“ entwickelt er farbkaleidoskopartige, meist auf der geometrischen Form des Rhomboids basierende Farbarbeiten, die sich weder auf Farbfeldmalerei, Neo Geo oder konstruktivistisch-konkrete Tendenzen realisieren lassen. Wie zufällig gewürfelt, finden sich, nach festgelegter Vorauswahl, intuitiv gestaltete und nicht auf Primärfarben reduzierte Farbelemente, die sich durch ihre geometrischen Formen in farbarchitektonische Gebilde zu verwandeln scheinen. Jedweder Farbsymbolik entzogen, generieren derart die stimmig gesetzten Flächen eine puzzleartig-kubistische, imaginäre Objekt- und Raumarchitektur. Im spezifischen Wechselspiel von (geometrischer) Form und (autonomisierender) Farbsetzung findet sich auch hier seine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Thema organisch versus konstruiert, chaotisch versus systematisch. Das Moment des Geometrisierenden ist derart bei Florian Nährer ein „Ordnungssystem“ aus dem und durch das freie Gestalten und Freiheit nicht verhindert, sondern überhaupt erst generiert werden kann. 
Dies soll jedoch den Blick nicht darauf verstellen, dass es für Florian Nährer auch hier um Malerei geht. In vielfältiger Weise spielt er (kunsthistorische) Formen der Malerei durch: Wir finden monochrome Elemente ebenso wie gestisch, expressive, konstruktivistische oder kontemplative. Da verirrt sich schon einmal scheinbar eine Farbe mittels Pinselgestus in einen anderen Farbbereich, so wie Malschichten zu lyrisch-visuellem Poemen gerinnen können; oder es finden sich Fragmente aus einem anderen seiner Werke wie etwas Zitat-Zitate aus Kupferstichen von Ludwig Richter. Seine Malerei entgrenzt diesbezüglich in jeder Hinsicht das Bildnerische bis hin zum Malobjekt, das er im Raum positioniert. Akzentuiert wird dies alles noch durch konträre Bildformate, die vom Großformat bis hin zur Miniatur reichen. 
Bei all den ästhetischen Strategien, die sich im Werk von Florian Nährer finden, geht es – analogisierend - um grundsätzliche gesellschaftliche Fragen, die, nicht zuletzt auch durch sein Studium der Theologie, essentielle gesellschaftliche Aspekte implizieren: Freiheit und Ordnung, Wirklichkeit und Spiritualität (wohl nicht zufällig ist sein Ausstellungstitel „Contemplating Reality“ das Titelzitat eines neuen Buches des amerikanischen Philosophen und Buddhisten Andy Karr); wie überhaupt theologische-christliche Fragestellungen immer wieder im Werk von Florian Näherer virulent werden, sei es der „Civitas Dei“ (2017) oder die Frage nach aktuellen Heiligenbildern im Zyklus „Anonymous Saints“ (2011), wo es um eurozentristische und ethnographische Aspekte geht. Derart hat abstrakte Kunst immer mit „inneren“ Bildern und deren Verknüpfung mit Realem zu tun. 
Und ist nicht die farbintensive Opulenz seiner Malerei eine Hommage an das barocke Krems, eine Verbeugung vor dem Glück der Sinnlichkeit, ein Augenfest? Der große französische Maler Eugène Delacroix hat es vor 150 Jahren so wunderbar formuliert:
Das höchste Verdienst eines Bildes ist es dem Auge ein Fest zu sein.

 


  F L O R I A N  N A E H R E R
2021

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