Kunstbühel – 4

ARBEITSTITEL : KUNSTBÜHEL
Group Show @MUSEUM KITZBÜHEL
Museum Kitzbühel
Hinterstadt 32
6370 Kitzbühel / Tirol
Oktober 2021- April 2022

 

Kunstbühel – 15
Kunstbühel – 14
Kunstbühel – 13
Kunstbühel – 12
Kunstbühel – 11
Kunstbühel – 10
Kunstbühel – 9
Kunstbühel – 8
Kunstbühel – 7
Kunstbühel – 6
Kunstbühel – 5
Kunstbühel – 4
Kunstbühel – 3
Kunstbühel – 2
Kunstbühel – 1

 

 

I LOVE KITZBÜHEL AND KITZBÜHEL LOVES ME


In der Kunst von Florian Nährer prallen Gegensätze aufeinander. Seine Malereien bewegen sich zwischen formalistischer Strenge und informeller Geste. Daneben entstehen immer wieder Objekte als auch grafische Arbeiten, die für sich stehen oder sich mit Gemaltem verschränken. Nährer, der neben Kunst auch Theologie studiert hat, stellt oftmals vielverzweigte Bezüge zu Religion, Philosophie, Mythologie und Geschichte her. So hat er sich 2018 zum Beispiel mit utopischen Staatengebilden, mit Grenzziehungen sowie dem Begriff Gottesstaat auseinandergesetzt, all das assoziationsreich in eine als „Golden Age“ betitelte Werkgruppe übersetzt. Selbst in seinen Malereien jüngeren Datums, die kompositorisch an die reduzierte Formensprache geometrischer Abstraktion denken lassen, sickert im metaphorischen Sinne Gesellschaftskritik durch. „New Order“ titelt etwa eine Serie aus dem Vorjahr. Einander kontrastierende Farbbalken von unterschiedlicher Breite und Höhe hat der Künstler hierfür auf den Malgrund gesetzt. Rational durchrhythmisiert wirken diese Anordnungen und scheinen dennoch keiner erkennbaren Systematik zu folgen. Mit solchen Widersprüchlichkeiten lockt der Künstler das Publikum aus der Komfortzone rein kontemplativer Kunstrezeption.


 „I love Kitzbühel and Kitzbühel loves me“ heißt nun Florian Nährers Beitrag zur Jubiläumsausstellung. Wie bei der Betrachtung seiner vorangegangenen Arbeiten fühlt man sich auch hier im Zwiespalt. Meint der Künstler diesen Satz tatsächlich ernst oder klingt da nicht doch ein ironischer Unterton an? Nährer liebt Kitzbühel, soviel steht fest. Seit vielen Jahren verbringt er Zeit in der familieneigenen Wohnung, die sich im ehemaligen Haus der Kitzbüheler Schützen befindet.  Die Beschäftigung mit diesem Ort führte ihn tief in die Tiroler Landesgeschichte hinein. In die Ära zahlreicher Freiheitskämpfe gegen die bayrische und französische Vorherrschaft, die erst 1814, nach der Niederlage Napoleons, endgültig einen Abschluss fand. Aus den Schützenkompanien wurden damals Standschützen. Vor diesem Hintergrund lassen Nährers Rundbilder an Zielscheiben denken. Doch anstelle der ineinander liegenden, für gewöhnlich nummerierten Ringe, sehen wir horizontal ausgerichtete bunte Streifenbahnen. Jeder Schuss muss hier zwangsläufig ins Leere verlaufen: „No target - no aim - no hurt“ richtet uns der Künstler über den Werktitel aus. An anderer Stelle zeigt er drei ebenfalls mit Farbstreifen versehene vertikal von der Decke hängende Holzstangen als „landscape studies“. Im Kontext der Inszenierung mögen sie an Fahnenstangen aber auch Kippstangen beim Schirennen erinnern. Auch auf ein Porträt von Andreas Hofer, das den Landeshelden außergewöhnlich menschlich, so gar nicht heroisierend, zeigt, treffen wir hier. Und schließlich ist da noch das verkehrt herum gehängte liturgische Gewand mit der Liebeserklärung „Jesus loves Kitzbühel“. Auch diese Arbeit eine, die im heil’gen Land Tirol ambivalente Gefühle auslösen mag.

Manisha Jothady (Freie Kuratorin)

  F L O R I A N  N A E H R E R
2021

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