0526.Ruzicska.5

THRESHOLDS
ACRYLIC ON CANVAS
60 X 50 CM
50 X 40 CM

 2026 

 

THRILL HILL / 50 X 40 cm / 2026
THRESHOLD / 60 X 50 cm / 2026
OTTOWAWA.2026
LUDWIG STONE HENGE / 60 x 50 cm / 2026
KIBUKI / 60 x 50 cm / 2026
HERO INSTINCT / 50 x 40 cm / 2026
FENG SHUI EMERGENCY / 50 x 40 cm / 2026
EST EST EST / 40 x 30 cm / 2026
Aus Liebe zur Schönheit / 40×30 cm / 2026
AGREENHEART.2026

Die Werkserie THERSHOLDS von Florian Nährer bewegt sich im Spannungsfeld zwischen spiritueller Bildtradition und zeitgenössischer geometrischer Abstraktion. Ausgangspunkt seiner Arbeiten ist dabei die jahrhundertealte Idee des Ikonenbildes als Träger von Transzendenz und spiritueller Präsenz. Anders als die klassische Ikonenmalerei verfolgt Nährer jedoch nicht das Ziel einer möglichst originalgetreuen Kopie. Vielmehr geht er den entgegengesetzten Weg: Er löst das traditionelle Gnadenbild aus seiner figürlichen Bindung heraus und überführt dessen geistigen Kern in eine abstrakte, gegenwartsbezogene Bildsprache. 

An die Stelle religiöser Narrative treten reine, strahlende Farben und klar definierte geometrische Formen. Überlagerte Rundungen, weich geführte Kanten und präzise gesetzte Farbflächen erzeugen Kompositionen, die zugleich konstruiert und meditativ wirken. Die Werke erinnern in ihrer formalen Strenge an Positionen der Hard-Edge-Malerei, entwickeln jedoch eine eigenständige spirituelle Dimension. Nährers Bilder wollen keine Abbilder der sichtbaren Welt sein, sondern „Fenster in eine andere Wirklichkeit“ öffnen. 

Besonders auffällig ist die Leuchtkraft seiner Farbpalette. Türkis, Rosa, Gelb, Rot oder tiefes Violett erscheinen in einer Intensität, die emotional unmittelbar wirkt. Diese bewusste Verwendung reiner Farben erzeugt eine Atmosphäre zwischen Ruhe, Kontemplation und visueller Energie. Die Farbe wird bei Nährer nicht dekoratives Element, sondern eigenständiger Bedeutungsträger. In der Reduktion auf geometrische Grundformen entsteht eine neue Form des Ikonenbildes: entmaterialisiert, abstrahiert und zugleich von großer sinnlicher Präsenz. 

Der Künstler untersucht dabei die Frage, ob sich die spirituelle Kraft eines Bildes auch in einer abstrakten Form erhalten kann. Während traditionelle Ikonen durch exakte Wiederholung und Kopie ihre sakrale Autorität entfalten, sucht Nährer nach einer zeitgenössischen Übersetzung dieser Idee. Seine Malerei verweigert die exakte Reproduktion und setzt stattdessen auf Verinnerlichung, Reduktion und intuitive Komposition. Dadurch entstehen Bildräume, die weniger erzählen als vielmehr Zustände erzeugen: Stille, Konzentration und geistige Offenheit. 

Formal oszillieren die Arbeiten zwischen Ordnung und Freiheit. Die klaren geometrischen Systeme vermitteln Stabilität und Harmonie, zugleich bleiben Spuren des Malprozesses sichtbar. Kleine Unregelmäßigkeiten, Übergänge und Überlagerungen verleihen den Bildern eine organische Lebendigkeit. Gerade in diesem Wechselspiel von Präzision und Imperfektion entfaltet sich die besondere Spannung seiner Werkserien. Nährers Arbeiten zeigen, dass abstrakte Malerei nicht nur formales Experiment sein kann, sondern auch ein zeitgenössischer Versuch, spirituelle Erfahrung und innere Bilder sichtbar zu machen. 

  F L O R I A N  N A E H R E R
2025

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